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QbTest und QbCheck: was der objektive ADHS-Test misst — und was die Studien zeigen

QbTest, QbCheck, Qbtech: Was der computergestützte ADHS-Test misst, was der große Studienvergleich tatsächlich ergeben hat, was NICE empfohlen hat — und warum Privatpersonen den Test in Deutschland nicht selbst buchen können.

· Aktualisiert 12. August 2026· 8 Min. Lesezeit

Irgendwo fällt der Name: in einem Forum, in einer Praxis, in einem Video über ADHS-Diagnostik. Ein Test, der ADHS objektiv misst — kein Fragebogen, keine Selbsteinschätzung, sondern Messwerte. Das klingt nach genau dem, was in der Diagnostik bislang fehlt. Dieser Artikel ordnet ein, was dahintersteckt, was die Studien dazu zeigen und was das für dich praktisch bedeutet.

Was ist der QbTest?

Ein computergestützter Aufmerksamkeitstest mit gleichzeitiger Bewegungsmessung, den Praxen und Kliniken ergänzend zu einer ADHS-Abklärung einsetzen. Er erfasst Aufmerksamkeit, Impulsivität und motorische Unruhe in einer Sitzung von etwa 15 bis 20 Minuten. Er ist ausdrücklich keine eigenständige Diagnostik und wird nicht an Privatpersonen verkauft.

Der letzte Halbsatz ist der Grund, warum die meisten Suchenden auf der Herstellerseite nicht finden, was sie suchen.

Was der Test misst und wie er abläuft

Das Verfahren ist ein sogenannter Daueraufmerksamkeitstest: Auf einem Bildschirm erscheinen in schneller Folge Symbole, und die getestete Person soll bei einem bestimmten Symbol reagieren — und bei allen anderen eben nicht. Über die Dauer entstehen drei Arten von Messwerten:

  • Aufmerksamkeit — wie schnell und wie gleichmäßig reagiert wird, und wie viele Zielreize übersehen werden
  • Impulsivität — wie oft auf Reize reagiert wird, bei denen keine Reaktion gefordert war
  • Motorische Unruhe — die Bewegung des Kopfes während der Aufgabe, beim Klinikgerät über eine Infrarotkamera und einen Reflektor am Kopf erfasst

Die Werte werden mit einer alters- und geschlechtsbezogenen Normstichprobe verglichen. Das Ergebnis ist ein Bericht mit Abweichungswerten — keine Diagnose, keine Ja/Nein-Aussage.

Der dritte Punkt ist die eigentliche Besonderheit gegenüber gewöhnlichen Computertests: Hyperaktivität wird nicht erfragt, sondern gemessen.

QbTest, QbCheck, Qbtech — was ist der Unterschied?

Die drei Begriffe werden oft synonym benutzt, meinen aber Verschiedenes:

Begriff Was gemeint ist
Qbtech Das schwedische Unternehmen hinter beiden Produkten
QbTest Die Variante für den Einsatz vor Ort, mit Infrarotkamera und Reflektor zur Bewegungsmessung
QbCheck Die webbasierte Variante ohne Spezialhardware, auch aus der Ferne einsetzbar

QbCheck läuft im Browser auf einem gewöhnlichen Laptop und deckt nach Herstellerangaben 6 bis 60 Jahre ab. Beide Varianten sind CE-gekennzeichnet und FDA-zugelassen; die Praxis verwaltet die Tests über ein Behandler-Portal und lädt die getestete Person in ein Patienten-Portal ein.

Ein Detail, das beim Lesen der Produktseite leicht untergeht: QbCheck wird als „klinisch äquivalent zum NICE-empfohlenen QbTest“ beschrieben. Die Formulierung ist präzise gewählt — die Empfehlung, um die es geht, betrifft QbTest, nicht QbCheck.

Was die Studien zeigen — und was nicht

Hier wird es interessant, weil das Ergebnis der wichtigsten Studie nicht das ist, was man erwartet.

Der AQUA-Trial ist eine randomisierte kontrollierte Studie an zehn britischen Zentren mit Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren, die zur ADHS-Erstabklärung überwiesen wurden. Eine Gruppe wurde regulär abgeklärt, bei der anderen lag den Behandelnden zusätzlich der Testbericht vor. Die Ergebnisse:

Was untersucht wurde Ergebnis mit Testbericht
Diagnostische Entscheidung nach sechs Monaten 76 Prozent statt 50 Prozent
Dauer der Termine 15 Prozent kürzer
Sicherheit der Behandelnden in ihrer Entscheidung deutlich höher
ADHS korrekt ausgeschlossen doppelt so häufig
Treffsicherheit der Diagnose kein Unterschied

Die letzte Zeile ist die wichtigste. Der Test hat die Diagnosen nicht richtiger gemacht — er hat sie schneller und eindeutiger gemacht. Wer sich davon eine höhere Genauigkeit verspricht, erwartet etwas, das die Studie nicht zeigt.

Der verdoppelte Ausschluss ist dabei der unterschätzte Befund. Zu erkennen, dass keine ADHS vorliegt, ist für die betroffene Person genauso wertvoll wie der umgekehrte Befund — es beendet die Suche und lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was tatsächlich hinter den Beschwerden steckt.

Wie gut trennt das Verfahren nun zwischen ADHS und nicht-ADHS? Eine Übersichtsarbeit fasste fünf Studien mit 682 Kindern und 514 Erwachsenen zusammen: Sensitivität 0,78, Spezifität 0,70. In Klartext heißt das ungefähr, dass von zehn Personen mit ADHS knapp acht erkannt werden — und von zehn Personen ohne ADHS sieben korrekt als unauffällig eingestuft werden, drei aber nicht. Für ein Verfahren, das ergänzend eingesetzt wird, ist das brauchbar. Für eine alleinstehende Entscheidung ist es das nicht.

Computergestützte Aufmerksamkeitstests insgesamt liegen in derselben Größenordnung: Eine Metaanalyse über 19 Studien kam auf Sensitivität 0,75 und Spezifität 0,71 und bezeichnete die Trennschärfe als gerade noch akzeptabel — mit dem ausdrücklichen Hinweis, solche Tests nur innerhalb eines umfassenderen diagnostischen Prozesses einzusetzen.

Was NICE tatsächlich empfohlen hat

Die britische Bewertungsbehörde NICE hat das Verfahren 2024 geprüft. Das Ergebnis ist präziser, als es in Werbetexten meist wiedergegeben wird:

  • Empfohlen wird der QbTest als Option zur Unterstützung der ADHS-Diagnostik bei Menschen von 6 bis 17 Jahren
  • Er darf ausschließlich zusätzlich zur Standardabklärung durch eine Fachperson eingesetzt werden, ausdrücklich nicht als eigenständige diagnostische Untersuchung
  • Für sechs weitere digitale Verfahren — darunter der QbTest bei Erwachsenen ab 18 — lautete das Urteil: weitere Forschung erforderlich

Für erwachsene Suchende ist der dritte Punkt der entscheidende. Die Studienlage, aus der die Empfehlung stammt, betrifft Kinder und Jugendliche. Für Erwachsene existiert sie in dieser Form nicht.

Ein Praktiker-Review in einer Fachzeitschrift merkt zusätzlich kritisch an, dass der Test Eltern gegenüber gelegentlich als „Screening-Instrument“ dargestellt werde — was der Zulassung nicht entspricht. Es lohnt sich also, bei jedem Angebot genau hinzusehen, in welcher Rolle ein solches Verfahren angeboten wird.

Kann ich den Test als Privatperson machen?

Nicht direkt. Es gibt keinen Weg, den Test als Privatperson zu kaufen — es existiert kein Endkunden-Shop, keine App zum Herunterladen, keinen Preis für Einzelpersonen. Verkauft wird an Praxen, Kliniken und Versorger; die Preise, die man findet, sind Praxispreise pro Test und liegen je nach Variante und Abnahmemenge im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich (Stand: August 2026).

Praktisch heißt das: Du kommst nur über eine Praxis an das Verfahren, die es einsetzt — und in Deutschland tun das bislang wenige. Es ist keine Kassenleistung, die man sich verschreiben lassen kann.

Damit ist für die meisten Suchenden die eigentliche Frage eine andere: nicht „wie bekomme ich diesen einen Test“, sondern „wie komme ich schneller zu einer belastbaren Einordnung“. Wie der reguläre Weg abläuft und wo er sich verkürzen lässt, steht unter ADHS-Diagnose bei Erwachsenen: Ablauf und Wartezeit; wer die Abklärung durchführen darf, unter Wer diagnostiziert ADHS?.

Ein erster Schritt, der nichts kostet und keine Anmeldung verlangt, ist der kostenlose ADHS-Selbsttest für Erwachsene — mit demselben Vorbehalt, der für jedes einzelne Verfahren gilt: Er ordnet ein, er diagnostiziert nicht.

Was objektive Tests generell leisten

Der Befund aus dem AQUA-Trial ist kein Sonderfall dieses einen Produkts, sondern typisch für die ganze Verfahrensklasse — und der Grund dafür ist aufschlussreich.

Computergestützte Aufmerksamkeitstests haben eine hohe Objektivität: Es gibt keine Verzerrung durch die Person, die beurteilt. Sie haben aber eine niedrige Alltagsnähe: Die Testsituation ist kurz, neu, hochstrukturiert und findet unter Beobachtung statt — also genau unter den Bedingungen, unter denen ADHS-Symptomatik am wenigsten sichtbar wird. Fragebögen und Fremdbeurteilungen haben das umgekehrte Profil: Sie sehen den Alltag, sind dafür aber anfällig für Verzerrung.

Deshalb ist die verbreitete Erwartung — ein objektiver Test wäre dem Fragebogen einfach überlegen — nicht gedeckt. Ein systematischer Vergleich beider Verfahrensklassen kommt zu dem Schluss, dass computergestützte neuropsychologische Tests den Beurteilungsskalen in der diagnostischen Treffsicherheit nicht überlegen sind, trotz höherer Kosten. Sie können die klinische Beurteilung stützen, aber die etablierten Verfahren nicht ersetzen.

Was daraus folgt, ist nicht „objektive Tests bringen nichts“, sondern: Sie sind ein Baustein, dessen Wert in der Kombination liegt — nicht im Alleingang. Welche Rolle Fragebögen dabei spielen und was sie tatsächlich messen, steht unter ADHS-Fragebögen für Erwachsene.

In eigener Sache, weil es dazugehört: Auch das Kairos-Assessment enthält eine kognitive Testkomponente. Alles, was in diesem Abschnitt steht, gilt für uns genauso — auch unser Verfahren stellt keine Diagnose, sondern bereitet sie vor. Woran du seriöse von unseriösen Angeboten unterscheidest, einschließlich der Kriterien, an denen wir uns selbst messen lassen müssen, steht unter ADHS-Test online: worauf du achten musst.

Quellen

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