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ADHS-Diagnostik vorbereiten: wie du die Wartezeit nutzt

Zwischen Entschluss und Termin liegen oft Monate. Was du in dieser Zeit sammeln, rekonstruieren und ordnen kannst — mit Symptomtagebuch, Fragen an Angehörige und einer Checkliste für den Termin.

· Aktualisiert 2. August 2026· 6 Min. Lesezeit

Fast alles auf dem Weg zur ADHS-Diagnose liegt außerhalb deines Einflusses: wann ein Termin frei wird, wer diagnostiziert, nach welchen Kriterien gearbeitet wird. Genau eine Sache gehört dir — die Monate davor. Wer sie nutzt, geht mit einer Grundlage in den ersten Termin, für die dort keine Zeit wäre. Wer sie verstreichen lässt, beginnt bei null und wartet dann noch einmal auf den Folgetermin.

Wie bereite ich mich auf eine ADHS-Diagnostik vor?

Vier Dinge lassen sich vorher erledigen, und alle vier brauchen Zeit statt Fachwissen: konkrete Alltagsbeispiele sammeln, die Kindheit rekonstruieren, eine Fremdauskunft von jemandem einholen, der dich lange kennt, und körperliche Ursachen abklären lassen. Was du davon mitbringst, muss im Termin nicht mehr erhoben werden — und genau daran scheitert sonst der erste Termin.

Der Grund ist banal: Ein Erstgespräch dauert selten länger als eine Stunde. Symptomerhebung, Kindheitsanamnese, Beeinträchtigung und Abgrenzung passen da nicht hinein. Was fehlt, wird vertagt.

Das Symptomtagebuch: Szenen statt Eigenschaften

Der wertvollste Beitrag, den du leisten kannst, ist eine Sammlung konkreter Situationen. Fachpersonen arbeiten mit Szenen, nicht mit Selbstbeschreibungen. „Ich bin unorganisiert“ ist unbrauchbar. „Ich habe im März eine Mahnung bekommen, obwohl das Geld auf dem Konto lag — die Rechnung lag zwei Wochen ungeöffnet auf dem Küchentisch“ ist ein Befund.

Notiere über vier bis sechs Wochen, was schiefläuft. Pro Eintrag reichen vier Angaben:

  • Was ist passiert? Die Situation in einem Satz.
  • Welcher Bereich? Arbeit, Haushalt, Finanzen, Beziehung, Gesundheit.
  • Was hat es gekostet? Zeit, Geld, ein Gespräch, Schlaf, Selbstachtung.
  • Was hast du getan, damit es nicht wieder passiert? Die Gegenmaßnahmen sind selbst ein Befund.

Der letzte Punkt wird fast immer vergessen und ist der wichtigste. Wer seit Jahren mit drei Listen, vier Weckern und Pufferzeiten arbeitet, funktioniert vielleicht unauffällig — der Aufwand dahinter ist die eigentliche Information. Warum das besonders zählt, wenn du eine Frau bist, steht im Artikel ADHS-Test für Frauen.

Zwei Fehler lohnt es sich zu vermeiden: nur die schlechten Tage aufzuschreiben, und nur die spektakulären Vorfälle. Die Diagnostik interessiert sich für das Muster, nicht für den Höhepunkt.

Die Kindheit rekonstruieren

Jeder Kriterienkatalog verlangt Anzeichen aus der Kindheit — und für die meisten Erwachsenen ist das der schwierigste Teil. Drei Quellen helfen:

Zeugnisse. Nicht wegen der Noten, sondern wegen der Bemerkungen. „Könnte mehr aus sich machen“, „stört den Unterricht“, „träumt vor sich hin“, „arbeitet sehr langsam“, „Verhalten schwankend“ — solche Formulierungen sind Gold. Alte Zeugnisse liegen oft bei den Eltern, in Umzugskartons oder lassen sich bei der Schule anfragen.

Erinnerungsstücke. Klassenfotos, Hefte, Postkarten, alte Briefe. Sie helfen weniger als Beweis, mehr als Gedächtnisstütze — Erinnerung an konkrete Szenen kommt oft erst über solche Anker zurück.

Der eigene Rückblick, aber sortiert. Such nicht nach Symptomen, sondern nach Situationen: Wie liefen Hausaufgaben ab? Wie war der Schulweg? Was passierte bei Geburtstagen, in Gruppen, beim Stillsitzen im Unterricht? Wie lange hast du für Dinge gebraucht, die anderen leichtfielen?

Die Fremdauskunft: wen fragen, und wie

Die Leitlinie sieht den Abgleich mit Bezugspersonen vor, sofern verfügbar. In der Praxis wird das selten organisiert — dabei ist es der Baustein, der die Kindheitsanamnese belastbar macht.

Geeignet ist, wer dich vor dem zwölften Lebensjahr erlebt hat: Eltern, ältere Geschwister, in manchen Fällen Tanten, Onkel oder Paten. Wenn niemand mehr da ist, ist das kein Ausschlusskriterium — es macht deine eigene Vorbereitung nur wichtiger.

Frag nicht „war ich hyperaktiv?“ — das führt zu einer Bewertung statt zu einer Erinnerung. Besser sind Fragen nach Alltagssituationen:

  • Wie lange habe ich für Hausaufgaben gebraucht, verglichen mit Geschwistern?
  • Musste jemand danebensitzen, damit ich anfange oder weitermache?
  • Habe ich Dinge häufig verloren oder vergessen?
  • Gab es Rückmeldungen aus der Schule, und worum ging es dabei?
  • Wie war ich in Gruppen? Und wie, wenn etwas mich wirklich interessiert hat?
  • Was hat dich an mir am meisten Nerven gekostet?

Die letzte Frage bringt oft am meisten. Notiere die Antworten mit Namen und Datum — als Gedächtnisprotokoll, nicht als Formular.

Körperliche Ursachen vorher abklären lassen

Die Beschwerden, die zu einem ADHS-Verdacht führen, entstehen auch bei Schilddrüsenstörungen, Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel oder einer unerkannten Schlafapnoe. Diese Ursachen muss ohnehin jemand ausschließen, und dafür brauchst du keinen Facharzttermin: Der Hausarzttermin ist in Wochen zu bekommen. Welche Werte dazugehören und warum dieser Schritt so oft übersprungen wird, steht im Artikel zum Ablauf der Diagnostik.

Wer mit ausgeschlossenen körperlichen Ursachen in die Spezialsprechstunde geht, spart dort einen kompletten Arbeitsschritt.

Ein Zeitplan für die Wartezeit

Damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt:

Sofort. Termin bei der Hausarztpraxis machen, körperliche Abklärung ansprechen, Überweisung beziehungsweise Zuweisung klären. Parallel den Facharzt- oder Psychotherapietermin anfragen — wer wofür zuständig ist, steht unter Wer diagnostiziert ADHS.

Woche 1 bis 6. Symptomtagebuch führen. Ein Eintrag pro Vorfall, nicht pro Tag — es soll nicht zur nächsten Aufgabe werden, an der du scheiterst.

Monat 2. Zeugnisse suchen, Angehörige ansprechen. Beides braucht Vorlauf, weil Kartons durchsucht und Gespräche verabredet werden müssen.

Monat 3. Alles zusammenführen: Tagebuch, Kindheitsmaterial, Fremdauskunft, Laborwerte. Was fehlt, fällt jetzt auf — mit genug Zeit, es noch zu beschaffen.

Zwei Wochen vor dem Termin. Eine Seite schreiben: Warum bin ich hier, seit wann, was sind die drei Situationen, die es am besten zeigen, was habe ich schon abklären lassen. Diese Seite ist der Einstieg ins Gespräch.

Was du mitbringst

Eine Mappe, physisch oder digital:

  1. Symptomtagebuch oder eine Zusammenfassung daraus
  2. Zeugniskopien mit markierten Bemerkungen
  3. Gedächtnisprotokoll der Fremdauskunft
  4. Laborwerte und Vorbefunde
  5. Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel
  6. Deine Eine-Seite-Zusammenfassung
  7. Ausgefüllte Screening-Ergebnisse, falls vorhanden

Was im Termin hilft — und was nicht

Hilft: konkrete Beispiele mit Zeit- und Ortsangabe. Der ehrliche Aufwand hinter guten Ergebnissen. Zu sagen, was du nicht weißt. Nachzufragen, wenn du eine Einschätzung nicht verstehst.

Hilft nicht: eine Diagnose vorwegzunehmen. Recherchierte Fachbegriffe statt eigener Worte. Sich schlechter darzustellen, als es ist — das fällt in der Differenzialdiagnostik auf und beschädigt das Vertrauen. Und sich besser darzustellen, was viel häufiger passiert.

Wo dir Arbeit abgenommen wird

Vieles von dem, was hier steht, ist Handarbeit — und der Grund, warum die Vorbereitung so selten stattfindet. Genau diese Erhebung nimmt dir das Kairos ADHS-Assessment ab: Es erfasst die aktuelle Symptomatik, den Rückblick in die Kindheit, das Ausmaß der Beeinträchtigung und die Abgrenzung zu anderen Erklärungen — und fasst alles in einem Bericht zusammen, mit dem eine Fachperson direkt weiterarbeiten kann. Dazu kommt das strukturierte Interview für den Termin selbst.

Was es dir nicht abnimmt: das Symptomtagebuch, die Zeugnisse und das Gespräch mit deinen Eltern. Diese drei Dinge kann niemand für dich erledigen — und sie sind es, die aus einer Akte einen Menschen machen.

Quellen

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Wichtiger Hinweis: Kairos ist eine psychologische Assessment-Plattform und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht zwingend eine positive Diagnose, ein unauffälliges Ergebnis schließt eine positive Diagnose nicht aus. Für eine gesicherte Diagnose ist eine Abklärung durch eine Fachperson notwendig.