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GAM Medical: Ablauf, Kosten und die Fragen, die du vorher stellen solltest

GAM Medical im Überblick: Wie die Online-ADHS-Diagnostik abläuft, was sie zusammengerechnet kostet, wer welchen Termin durchführt — und was die Berufsordnung in Bayern zur ausschließlichen Online-Diagnostik sagt.

· Aktualisiert 12. August 2026· 8 Min. Lesezeit

Wer nach diesem Anbieter sucht, sucht meistens nach einer bestimmten Antwort: Ist das seriös? Diese Frage lässt sich von außen nicht mit Ja oder Nein beantworten — aber man kann die Grundlagen zusammentragen, auf denen sich jeder selbst ein Urteil bildet. Genau das macht dieser Artikel: Ablauf, Kosten, Zuständigkeiten und die berufsrechtliche Lage, jeweils mit Quelle.

Alle Angaben zum Anbieter stammen aus dessen öffentlich zugänglichen Seiten, Stand 12. August 2026. Anbieter ändern ihre Angaben; wer heute liest, sollte gegenprüfen.

Was ist GAM Medical?

Ein Selbstzahler-Angebot für psychologische Diagnostik, das vollständig per Video abläuft. Betreiber ist die GAM Medical DACH GmbH mit Sitz in Aichach in Bayern (HRB 39830, Amtsgericht Augsburg). Neben ADHS werden Depression, Autismus und Angststörungen angeboten. Die Diagnostik dauert nach Anbieterangabe acht bis zehn Wochen.

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als „erste deutsche Online ADHS Klinik“. Weitere Landesgesellschaften bestehen für Italien und Spanien.

Wie der Prozess abläuft

Nach der Darstellung des Anbieters besteht die Diagnostik aus fünf Terminen, alle als Videositzung:

  1. Kostenloses Beratungsgespräch — Ablauf, Kosten, offene Fragen
  2. Anamnesegespräch — Vorgeschichte und Symptome
  3. Vertiefende psychologische Abklärung — Symptomentwicklung seit der Kindheit, Differenzialdiagnostik, Begleiterkrankungen
  4. Rückgabegespräch — Besprechung des schriftlichen Gutachtens
  5. Diagnostisches Abschlussgespräch — hier wird die Diagnose bestätigt und eine Bescheinigung ausgestellt

Eingesetzt werden nach Anbieterangabe strukturierte Interviews, psychometrische Fragebögen und Verhaltensbeobachtung. Zum Ablauf gehört die Empfehlung, dass zum Interview eine Person teilnimmt, die den Patienten schon als Kind kannte — das entspricht dem fachlichen Standard, weil die Symptomatik vor dem zwölften Lebensjahr belegt werden muss.

Was es zusammengerechnet kostet

Der Anbieter weist Einzelposten aus. Zusammengerechnet ergibt sich für die vollständige Diagnostik:

Leistung Preis
Drei psychologische Gespräche (je 119 €) 357 €
Differenzialdiagnostisches Gutachten 204 €
Rückgabegespräch 61 €
Diagnostisches Abschlussgespräch 67 €
Summe Diagnostik 689 €

Nicht enthalten und separat berechnet: Medikamentenverschreibung 83 € zuzüglich Rezeptversand, Kontrollvisite 49 €, Gruppen-Psychoedukation 192 € für acht Stunden.

Zur Erstattung heißt es beim Anbieter, das Angebot richte sich „vor allem an Selbstzahler“, eine Übernahme durch gesetzliche oder private Kassen könne „leider nicht garantiert“ werden. Wer auf Erstattung angewiesen ist, sollte das also vorher schriftlich mit seiner Versicherung klären, nicht nachher.

Wer führt welchen Termin durch?

Das ist der Punkt, den kaum jemand prüft — und der die Preisstruktur erklärt.

Nach der Leistungsbeschreibung des Anbieters werden die drei psychologischen Gespräche „durch eine ausgebildete und speziell geschulte Psycholog*in (Master oder Diplom) durchgeführt“. Auch das Gutachten wird von dieser Person erstellt, und auch das Rückgabegespräch führt sie. Erst im Abschlussgespräch — dem mit 67 € günstigsten Termin — kommt laut Preisliste „eine approbierte Fachkraft“ dazu, und dort wird die Diagnose bestätigt.

Vier von fünf Terminen liegen damit bei einer Person mit Master- oder Diplomabschluss in Psychologie. Ein Blick auf die öffentliche Teamseite bestätigt das Bild: Der überwiegende Teil der dort vorgestellten Personen führt die Bezeichnung „Psycholog*in“, viele befinden sich nach eigener Beschreibung noch in der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin oder zum Psychologischen Psychotherapeuten.

Warum das relevant ist: „Psychologin“ oder „Psychologe“ ist kein geschützter Heilberuf, sondern ein Studienabschluss. Die Berufsbezeichnungen „Psychologische Psychotherapeutin“ und „Psychologischer Psychotherapeut“ setzen dagegen eine Approbation voraus. Nur approbierte Personen sind Mitglied einer Psychotherapeutenkammer — und nur sie unterliegen deren Berufsordnung. Wer die Gespräche führt, entscheidet also mit darüber, welches Regelwerk überhaupt greift.

Wer in Deutschland eine ADHS-Diagnose stellen darf, steht ausführlich unter Wer diagnostiziert ADHS?.

Was die Berufsordnung in Bayern zur Online-Diagnostik sagt

Hier wird es konkret, und deshalb steht die Regel hier im Wortlaut. § 5a der Berufsordnung der Psychotherapeutenkammer Bayern, zuletzt geändert am 20. Mai 2026, lautet auszugsweise:

„(1) Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erbringen Psychotherapie grundsätzlich im unmittelbaren persönlichen Kontakt.

(2) Psychotherapie mittels Kommunikationsmedien ist unter Beachtung der Vorschriften der Berufsordnung, insbesondere der Sorgfaltspflichten, zulässig, sofern

  1. der unmittelbare persönliche Kontakt für die Durchführung der Psychotherapie nicht erforderlich ist und
  2. die Eingangsdiagnostik und Indikationsstellung nicht ausschließlich unter Verwendung von Kommunikationsmedien erfolgt und
  3. sie ausschließlich durch diejenige Psychotherapeutin oder denjenigen Psychotherapeuten erbracht wird, die oder der Psychotherapie auch im unmittelbar persönlichen Kontakt durchführt oder durchgeführt hat.“

Ziffer 2 ist der Kern: Für Kammermitglieder in Bayern darf die Eingangsdiagnostik nicht ausschließlich über Video und Fragebögen laufen. Ein Erstgespräch per Video bleibt ausdrücklich möglich — die gesamte Eingangsdiagnostik ausschließlich per Video nicht.

Der Anbieter wirbt demgegenüber damit, dass „alle Prozesse komplett online“ ablaufen, und beantwortet die Frage „Kann ich die ADHS-Diagnostik komplett online machen?“ mit „Ja“.

Wie passt das zusammen? Zwei Dinge muss man auseinanderhalten, und beides gehört zur ehrlichen Antwort:

  • Die Berufsordnung bindet die Mitglieder der Kammer, also approbierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Auf Psychologinnen und Psychologen ohne Approbation ist sie nicht anwendbar — und genau diese führen nach Anbieterangabe den größten Teil der Gespräche.
  • Für Ärztinnen und Ärzte gilt ein anderes Regelwerk. Nach § 7 Abs. 4 der Musterberufsordnung ist die ausschließliche Fernbehandlung seit 2018 im Einzelfall erlaubt, wenn sie ärztlich vertretbar ist und die erforderliche Sorgfalt gewahrt bleibt. Bayern hat diese Öffnung übernommen. Für Ärzte ist die Lage also deutlich offener als für Psychotherapeuten.

Ob eine bestimmte Konstruktion diese Vorgaben erfüllt, beurteilen im Streitfall die zuständige Kammer und die Gerichte, nicht ein Blogartikel. Was du daraus mitnehmen kannst, ist die Frage, die du stellen solltest: Wer genau führt meine Eingangsdiagnostik durch, welcher Berufsordnung unterliegt diese Person — und ist irgendwann ein persönlicher Kontakt vorgesehen?

Wird eine online gestellte Diagnose anerkannt?

Der Anbieter schreibt, die Bescheinigung sei „mit Diagnosen anderer Behandler*innen gleichwertig“. Die belastbarere Antwort lautet: Es kommt darauf an, wer sie anerkennen soll.

  • Für dich selbst — als Einordnung und Grundlage für weitere Schritte ist ein ausführliches Gutachten wertvoll, unabhängig davon, wo es entstanden ist.
  • Für eine Medikation — die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt entscheidet eigenverantwortlich und ist nicht an eine fremde Diagnose gebunden. Viele Praxen führen eigene Abklärungen durch.
  • Für eine Kassen-Psychotherapie — hier gelten die Regeln der Psychotherapie-Richtlinie; die Indikation stellt die behandelnde Praxis.
  • Für Nachteilsausgleich oder Schwerbehinderung — Versorgungsämter und Hochschulen haben eigene Anforderungen an Gutachten, oft mit Formvorgaben.

Ein Papier ist nie automatisch überall gültig. Wenn du ein bestimmtes Ziel verfolgst — Medikation, Nachteilsausgleich, Therapieplatz —, kläre vorher bei der Stelle, die es akzeptieren soll, welche Anforderungen sie stellt.

Was bei Medikamenten gilt

Der Anbieter listet „Medikamentenverschreibung“ mit 83 € zuzüglich Rezeptversand und nennt die Möglichkeit eines Privatrezepts nach abgeschlossener Diagnostik. Gleichzeitig heißt es in der FAQ, für eine medikamentöse Behandlung seien EKG und Blutbild erforderlich, die beim Hausarzt durchzuführen sind — und weiter: „Alternativ empfehlen wir, die Medikation direkt vor Ort bei einem Hausarzt oder Psychiater in Deiner Nähe zu erhalten, da dies oft praktischer ist.“

Wichtig zu wissen, unabhängig vom Anbieter: Die gängigen Stimulanzien bei ADHS sind Betäubungsmittel. Methylphenidat und Lisdexamfetamin dürfen nur auf einem BtM-Rezept verordnet werden, für das besondere Anforderungen gelten. Andere ADHS-Medikamente wie Atomoxetin oder Guanfacin fallen nicht unter das Betäubungsmittelrecht und sind regulär auf Privatrezept verordnungsfähig. Welcher Wirkstoff gemeint ist, macht rechtlich also den ganzen Unterschied — und diese Frage solltest du konkret stellen, bevor du für eine Verschreibung bezahlst.

Was die einzelnen Wirkstoffe unterscheidet, steht unter ADHS-Medikamente im Überblick.

Woran du einen Anbieter selbst prüfst

Diese sechs Fragen funktionieren bei jedem Anbieter, nicht nur bei diesem:

Wer führt welchen Termin durch — und mit welcher Qualifikation? Lass dir das pro Termin sagen, nicht pauschal als „unser Team aus Fachärzt:innen und Psycholog:innen“. Frage konkret nach Approbation.

Was kostet alles zusammen? Einzelpreise verschleiern die Summe. Lass dir den Gesamtbetrag für den vollständigen Prozess schriftlich geben, inklusive allem, was nötig ist, um ihn abzuschließen.

Ist irgendwann persönlicher Kontakt vorgesehen? Falls nein: Frage nach, wie der Anbieter das berufsrechtlich einordnet. Eine seriöse Stelle kann das beantworten.

Wofür genau brauchst du das Papier — und akzeptiert die Zielstelle es? Vorher klären, nicht nachher.

Eine ausführlichere Prüfliste, auch für kostenlose Online-Tests, steht unter ADHS-Test online: worauf du achten musst.

In eigener Sache

Wir bieten selbst ein kostenpflichtiges ADHS-Assessment an und bewegen uns damit im selben Markt. Deshalb gehört hierher, woran wir uns messen lassen müssen: Kairos stellt keine Diagnose. Wir bereiten sie strukturiert vor, damit die ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung schneller zum Ergebnis kommt. Die Diagnose stellt immer eine approbierte Fachperson — und das ist keine Bescheidenheit, sondern die Rechtslage.

Wer erst einmal ohne Kosten und ohne Anmeldung eine Einordnung sucht, findet sie im kostenlosen ADHS-Selbsttest für Erwachsene. Wie der reguläre Weg zur Diagnose abläuft und wo er sich verkürzen lässt, steht unter ADHS-Diagnose bei Erwachsenen.

Hinweis: Dieser Artikel gibt öffentlich zugängliche Angaben wieder und enthält keine Rechtsberatung. Sollten Angaben unzutreffend oder überholt sein, korrigieren wir sie — eine Nachricht über das Impressum genügt.

Quellen

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Wichtiger Hinweis: Kairos ist eine psychologische Assessment-Plattform und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht zwingend eine positive Diagnose, ein unauffälliges Ergebnis schließt eine positive Diagnose nicht aus. Für eine gesicherte Diagnose ist eine Abklärung durch eine Fachperson notwendig.