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Wer diagnostiziert ADHS bei Erwachsenen — und wo du dich testen lassen kannst

Psychiatrie, Neurologie, Psychotherapie oder Hausarztpraxis: wer ADHS bei Erwachsenen diagnostizieren darf, wer Medikamente verordnen kann und was die Kasse zahlt — für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

· Aktualisiert 2. August 2026· 8 Min. Lesezeit

„Zu welchem Arzt gehe ich damit überhaupt?“ ist die Frage, an der viele ADHS-Abklärungen hängen bleiben, bevor sie begonnen haben. Die Antwort ist unübersichtlicher, als sie sein müsste: Vier Berufsgruppen dürfen diagnostizieren, aber nicht alle dürfen behandeln. Manche Anlaufstellen haben Wartezeiten von über einem Jahr, andere Termine in zwei Wochen. Und eine Praxis, an der fast alle vorbeigehen, ist die, über die der Weg ohnehin führt.

Wer darf ADHS bei Erwachsenen diagnostizieren?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es im Kern dieselben Berufsgruppen: Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie, dazu psychologische Fachpersonen mit entsprechender Qualifikation. Die deutsche S3-Leitlinie ADHS (AWMF-Registernummer 028-045) nennt zusätzlich die psychosomatische Medizin; in Österreich sind Klinische Psychologinnen und Psychologen ausdrücklich vorgesehen. Entscheidend ist die ADHS-Erfahrung, nicht allein die Fachbezeichnung.

Wichtig ist überall der Unterschied zwischen Diagnose und Behandlung. Psychologische Fachpersonen dürfen ADHS diagnostizieren und psychotherapeutisch behandeln, aber keine Medikamente verordnen und keine Krankschreibung ausstellen. Wer eine medikamentöse Behandlung in Betracht zieht, braucht also in jedem Fall zusätzlich eine ärztliche Anlaufstelle.

Unterschiedlich ist nicht, wer darf — sondern wie man dorthin kommt und wer bezahlt. Genau das klären die nächsten beiden Abschnitte für jedes Land einzeln.

Die Anlaufstellen im Überblick

Facharztpraxis für Psychiatrie und Psychotherapie. Die naheliegendste Adresse: Diagnostik und medikamentöse Behandlung aus einer Hand. Der Nachteil ist der Zugang — hier sind die Wartezeiten am längsten.

Facharztpraxis für Neurologie. Ebenfalls zuständig, in der Praxis aber sehr unterschiedlich aufgestellt. Manche neurologischen Praxen haben einen ADHS-Schwerpunkt, andere gar keinen. Nachfragen lohnt sich, bevor du dich auf eine Warteliste setzen lässt.

Praxis für psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Seltener, aber leitliniengemäß zuständig — oft mit einem guten Blick für das, was neben der ADHS noch mitläuft.

Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Dürfen diagnostizieren und behandeln, aber nicht verordnen. Für viele der realistischere Zugang, weil es mehr Praxen gibt und Erstgespräche über die psychotherapeutische Sprechstunde ohne Überweisung möglich sind.

Psychiatrische Institutsambulanzen und Hochschulambulanzen. An Kliniken und Universitäten, oft mit ausgewiesenem ADHS-Schwerpunkt und der gründlichsten Diagnostik — dafür mit den längsten Wartelisten.

Hausarztpraxis. Keine Spezialadresse für ADHS, aber die erste Station des Weges. Warum, steht weiter unten.

Wo kann man sich als Erwachsener auf ADHS testen lassen?

Anlaufstellen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz Facharztpraxen für Psychiatrie, psychotherapeutische und psychologische Praxen sowie Spezialambulanzen an Kliniken. Der Zugang unterscheidet sich: In Deutschland vermittelt die Terminservicestelle unter 116117, in Österreich braucht die klinisch-psychologische Diagnostik eine ärztliche Zuweisung, in der Schweiz eine ärztliche Anordnung für die Kostenübernahme. In allen drei Ländern führt der Weg damit über eine ärztliche Praxis — meist die hausärztliche.

ADHS-Abklärung in Deutschland

In Deutschland vermittelt die bundesweite Terminservicestelle Termine unter 116117, rund um die Uhr erreichbar. Für einen Facharzttermin brauchst du dafür in der Regel eine Überweisung mit einem zwölfstelligen Vermittlungscode — ausgestellt in der Hausarztpraxis.

Die Terminservicestelle hat dabei einen Auftrag, den viele nicht kennen: Sie muss innerhalb einer gesetzlich geregelten Frist vermitteln, je nach Region in der Regel innerhalb weniger Wochen. Das gilt für den Facharzttermin — nicht für eine mehrteilige Spezialdiagnostik. Aber es ist ein Hebel, den kaum jemand nutzt. Für psychotherapeutische Erstgespräche gilt eine Erleichterung: Die psychotherapeutische Sprechstunde ist ohne Überweisung zugänglich.

ADHS-Abklärung in Österreich

In Österreich sind Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin sowie Klinische Psychologinnen und Psychologen zuständig; dazu kommen Ambulanzen an Kliniken.

Die Besonderheit betrifft die klinisch-psychologische Diagnostik: Damit die Krankenkasse sie mitträgt, braucht es eine ärztliche Zuweisung, die eine Verdachtsdiagnose und eine präzise Fragestellung enthält. Genau daran scheitern Zuweisungen regelmäßig — eine Zeile „Verdacht auf ADHS, bitte um Abklärung“ ist keine präzise Fragestellung. Wer mit strukturierten Vorbefunden in die Ordination kommt, macht es der zuweisenden Ärztin deutlich leichter, diese Anforderung zu erfüllen.

ADHS-Abklärung in der Schweiz

In der Schweiz sind Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychologinnen und Psychologen mit Psychotherapie-Weiterbildung zuständig.

Damit die Abklärung über die Grundversicherung läuft, braucht es eine ärztliche Anordnung — ausstellen kann sie die Hausarztpraxis oder eine Facharztpraxis. Und wer bei seiner Krankenkasse ein Hausarztmodell gewählt hat, muss den ersten Schritt ohnehin dort machen. Der hausärztliche Weg ist in der Schweiz also nicht nur sinnvoll, sondern für viele vertraglich vorgegeben.

Die Hausarzt-Route: warum der Weg dort beginnt

Fast alle gehen an der Hausarztpraxis vorbei, weil sie annehmen, ADHS sei dort falsch aufgehoben. Tatsächlich passieren dort drei Dinge, die sonst nirgends passieren.

Erstens der Zugang zum System. In allen drei Ländern hängt der geregelte Weg an einem ärztlichen Dokument: in Deutschland an der Überweisung mit Vermittlungscode, in Österreich an der Zuweisung mit Verdachtsdiagnose und präziser Fragestellung, in der Schweiz an der ärztlichen Anordnung für die Kostenübernahme. Wer diesen Schritt überspringt, sucht auf eigene Faust — und zahlt im Zweifel selbst.

Zweitens die körperliche Abklärung. ADHS-Beschwerden sind unspezifisch: Eine Schilddrüsenstörung, ein Eisenmangel oder eine unerkannte Schlafapnoe erzeugen ein ganz ähnliches Bild. Diese Ursachen muss ohnehin jemand ausschließen, und die Hausarztpraxis ist der einzige Ort, an dem das schnell und selbstverständlich geschieht. Welche Werte dazugehören, steht im Artikel zum Ablauf der Diagnostik.

Drittens die Möglichkeit, weiter zu kommen als üblich. Eine Regelsprechstunde dauert zehn bis fünfzehn Minuten — darin ist keine Symptomerfassung, keine Kindheitsanamnese und keine Differenzialdiagnostik unterzubringen. Genau deshalb endet der Termin meist mit einer Überweisung. Liegt diese Vorarbeit aber bereits strukturiert vor, ändert sich die Rechnung: Bei leichten bis mittelschweren Bildern kann die Abklärung dann in der Hausarztpraxis abgeschlossen werden — inklusive eines vollständigen strukturierten Interviews, das die Diagnosekriterien Punkt für Punkt durchgeht.

Was hier ausdrücklich nicht gemeint ist: ein Zehn-Minuten-Gespräch mit dem Ergebnis „klingt nach ADHS“. Der Unterschied liegt nicht in der Gründlichkeit, sondern darin, wer die Vorarbeit geleistet hat. Genau dafür gibt es das Kairos ADHS-Assessment: Es erhebt vor dem Termin, wofür in der Sprechstunde keine Zeit ist, und liefert das strukturierte Interview mit.

Die Grenze bleibt: Die medikamentöse Ersteinstellung mit Stimulanzien gehört bei Erwachsenen überall in fachärztliche Hand. In Deutschland regelt das § 44 der Arzneimittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses; Folgeverordnungen darf die Hausarztpraxis unter fachärztlicher Begleitung übernehmen. In Österreich und der Schweiz gilt der Grundsatz ebenso, die Details unterscheiden sich. Wer Medikamente will, braucht also weiterhin einen Facharzttermin — er findet dann nur gezielt statt und nicht als erster Sortierversuch.

Was kostet die Diagnostik — und zahlt die Kasse?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die ADHS-Diagnostik grundsätzlich eine Kassenleistung, sofern die Praxis entsprechend abrechnen darf und die formalen Voraussetzungen erfüllt sind. Privat abgerechnet bewegt sie sich im mittleren dreistelligen Bereich. Der Engpass ist also fast nirgends der Preis, sondern der Termin — und die Formalie, die den Zugang öffnet.

Kosten in Deutschland

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die ADHS-Diagnostik vollständig, sofern Praxis oder Psychotherapeutin eine Kassenzulassung hat. Privatpraxen rechnen selbst ab.

Wenn du nachweislich keinen Kassentermin in zumutbarer Zeit bekommst, gibt es einen Weg, den wenige kennen: das Kostenerstattungsverfahren. Vereinfacht gesagt sammelst du dokumentierte Absagen und beantragst bei deiner Krankenkasse, dass sie die Behandlung in einer Praxis ohne Kassenzulassung übernimmt. Der Antrag ist Aufwand und wird nicht immer bewilligt — bei den üblichen privaten Diagnostikkosten kann er sich trotzdem lohnen. Die konkreten Voraussetzungen nennt dir deine Krankenkasse.

Kosten in Österreich

In Österreich ist die psychiatrische Abklärung bei Kassenärztinnen und Kassenärzten mit e-card kostenfrei. Bei Wahlärztinnen und Wahlärzten zahlst du zunächst selbst und bekommst anschließend einen Teil des Kassentarifs erstattet.

Die klinisch-psychologische Diagnostik wird je nach Umfang privat abgerechnet; eine Kostenbeteiligung der Krankenkasse ist möglich, setzt aber die oben beschriebene ärztliche Zuweisung voraus. Ohne sie zahlst du die Testung vollständig selbst — der häufigste vermeidbare Fehler auf dem österreichischen Weg.

Kosten in der Schweiz

In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die ärztliche ADHS-Abklärung, sofern eine ärztliche Anordnung vorliegt. Bei psychologischen Fachpersonen hängt es davon ab, ob die Abklärung angeordnet wurde oder über eine Zusatzversicherung läuft.

Zu beachten: Auch eine übernommene Leistung ist nicht kostenlos. Franchise und Selbstbehalt trägst du selbst — je nach gewähltem Modell kann ein erheblicher Teil der Rechnung bei dir bleiben, obwohl die Kasse grundsätzlich zahlt.

Woran du eine gute Anlaufstelle erkennst

Nicht jede zuständige Praxis ist auch eine geeignete. Vier Fragen, die du schon am Telefon stellen kannst:

  1. Wird ein strukturiertes Interview geführt? Eine Diagnose allein aufgrund von Fragebögen oder eines einzelnen Gesprächs ist nicht leitliniengerecht.
  2. Wird die Kindheit erhoben? Ohne Rückblick vor das zwölfte Lebensjahr darf keine ADHS-Diagnose gestellt werden.
  3. Wird differenzialdiagnostisch gearbeitet? Wenn niemand fragt, ob eine Depression, eine Angststörung oder eine Schlafstörung das Bild besser erklärt, fehlt der wichtigste Teil.
  4. Wie viele Termine sind vorgesehen? Eine gründliche Abklärung ist an einem Nachmittag nicht zu leisten.

Eine Praxis, die diese Fragen klar beantwortet, ist die Wartezeit wert. Eine, die schnelle Sicherheit verspricht, eher nicht.

Quellen

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Wichtiger Hinweis: Kairos ist eine psychologische Assessment-Plattform und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose. Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht zwingend eine positive Diagnose, ein unauffälliges Ergebnis schließt eine positive Diagnose nicht aus. Für eine gesicherte Diagnose ist eine Abklärung durch eine Fachperson notwendig.